Personal fab 3D. Next Revolution?

Über Ideen, Projekte, Produkte, Lösungen können wir permanent und überall reden und wenn wir könnten, wie wir wollten, würden wir ja auch gleich mal und überhaupt besser.

Bei mir wird dieser Mechanismus meistens im Angesicht bestimmter Produkte ausgelöst, die nicht optimal durchdacht, designt oder produziert sind.
So wie die tropfende Bodum Teekanne.

Die Ausgabe der Form (form 206 Januar/Februar 2006) über die Anfänge des 3D Printings habe ich sorgfältig aufbewahrt. Es war einfach klar, dass man davon wieder hören würde. Neil Gershenfeld, Professor am MIT in Boston berichtete über die Anfänge des personal fabricators und seine Zukunftsvision der home fabrication. Seiner Meinung nach wird die Entwicklung der personal fabrication einen ähnlichen Verlauf nehmen, wie die Entwicklung des saalfüllenden Großrechners zum PC: Werkzeugmaschinen, die in der Industrie für die Massenproduktion eingesetzt werden, sollen in absehbarer Zukunft so klein, günstig und einfach zu haben sein, dass sie – dank Open Source Software – für jeden zugänglich sein werden.

Bis heute haben sich die Möglichkeiten des personal fab bereits vielfältig entwickelt, jedoch ist bisher noch keine Massentauglichkeit erreicht. Bisher findet diese Möglichkeit der individuellen Einzel- und Kleinserienproduktion vor allem in Designerkreisen Anwendung, die damit ihren Kunden nicht nur Modelle oder Prototypen anbieten können, sondern gleich das fertige Produkt. Wobei natürlich das Produktionsverfahren und der Einsatz des für diesen Prozess geeigneten Materials oft die bestimmenden Designkomponenten darstellt, wie zum Beispiel beim Sinterchair des Designduos Vogt+Weizenegger aus dem Jahr 2002.

In letzter Zeit konnte man wieder viel über diese Entwicklung lesen, nicht zuletzt, weil Chris Andersen eine neue Industrielle Revolution, angeführt von der Maker Bewegung per Bucherscheinung herbeizitierte und die Vision von Neil Gershenfeld weiterführt. Mit dem Maker Bot hält Andersen die Massentauglichkeit bereits für eine Tatsache, denn er wird gebrauchsfertig und mit einer Desktop-Applikation ausgeliefert. Dank dieser soll das Drucken von Objekten so simpel sein wie das Ausdrucken eines Fotos und kostet “nur” 2.200 Dollar.

Wie die Zeit, jedoch auch feststellte, ist auch diesen Stadium der Entwicklung für die Bedienung des Maker Bots  im besten Falle ein Ingenieurwissenschaftliches Studium und / oder ein IT Fachmann mit viel Experimentierfreude und Zeit sein.

Die Entwicklung ist auf dem Weg, die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt. Ich bin sehr gespannt, ab wann die für den Massenmarkt so unverzichtbaren Komponenten Variation, Usability, Design und Pricing hier wirklich zusammenkommen und wie diese Entwicklung unser bisheriges Verständnis von Produkten, Produktion und Design verändern wird.

Bei einer kurzen Recherche fand ich den Anbieter Cubify , der bereits einen 3D Printer zum Preis von 1.299 $ für zu Hause anbietet und, nach dem symbiotischen Prinzip von Smartphone zu App mit verschiedenen Produktprogrammen ausstattet. Unabhängig davon, dass die Produktmöglichkeiten bisher auf einen speziellen Kunststoff festgelegt sind und damit eher für Kinderspielzeug, Deko und Lampen geeignet sind, überlegen wir einfach mal kurz wie es wäre, wenn wir demnächst deutlich mehr Grundstoffe in Sachen 3D Printing zur Verfügung hätten und ich mir demnächst einfach eine Teekannen App von Bodum kaufe und mir meine Kanne einfach zu Hause ausdrucke. Sollte sich die ein oder andere Branche vielleicht schon jetzt auf ähnliche Probleme einstellen, wie sie die Musik- und Medienbranche im Zuge der Digitalisierung ereilt hat?

Noch etwas gewöhnungsbedürftig sind sowohl Preis als auch das Design:
Drape Dress, gefertigt im rapid prototyping Verfahren, zu bestellen im Shop von cubify zum Preis von 1.999 $